Interview Mehr als Führung auf Zeit

HANSE-Talk: Mehr als Führung auf Zeit

Ein Gespräch mit Andreas Lau über Strukturwandel und Verantwortung im Interim Management

Veränderung ist im Interim Management kein Ausnahmezustand, sondern Grundlage der Arbeit. Gleichzeitig befindet sich auch die Branche selbst im Wandel. Zusammenschlüsse, Plattformmodelle, Investoren, steigende Qualitätsanforderungen. Der Markt wird differenzierter und anspruchsvoller.

Im aktuellen HANSE-Talk spricht unsere HANSE Interim Kollegin Özlem Parakenings mit Andreas Lau darüber, wie sich das Rollenverständnis von Interim Managern verändert, warum Umsetzungskraft heute entscheidender ist als reine Analyse und weshalb Qualität kein Schlagwort, sondern Substanz ist.

Andreas Lau ist geschäftsführender Gesellschafter von HANSE Interim Management und Vorstandsmitglied des AIMP. Er begleitet die Entwicklung des Marktes seit über zwei Jahrzehnten aus unterschiedlichen Perspektiven und ordnet die aktuellen Veränderungen klar ein.

Im Gespräch mit Andreas Lau

Özlem Parakenings: Andreas, „The Power of Change“ war das Motto der diesjährigen KIM. Warum trifft dieses Thema aus deiner Sicht den Kern unserer Branche so gut?

Andreas Lau: Weil Veränderung heute kein Ausnahmezustand mehr ist. Sie ist der Normalfall. Unternehmen stehen dauerhaft unter Anpassungsdruck. Restrukturierung, digitale Transformation, geopolitische Unsicherheit, neue Finanzierungsmodelle, technologische Disruption. Das passiert nicht nacheinander, sondern parallel. Interim Management wird genau dann relevant, wenn Veränderung nicht vorbereitet, sondern umgesetzt werden muss. Wenn Entscheidungen nicht vertagt werden können. Wenn Führung sofort wirken muss.

Veränderung ist heute kein Ausnahmezustand mehr. Sie ist der Normalfall.

Umsetzungskraft statt Konzept

Özlem Parakenings: Was unterscheidet Interim Management in solchen Situationen von klassischer Beratung?

Andreas Lau: Beratung analysiert, strukturiert, entwickelt Konzepte. Interim Manager übernehmen Verantwortung in der Linie. Sie treffen Entscheidungen. Sie tragen Ergebnisverantwortung. Sie führen Teams durch Unsicherheit. In kritischen Unternehmenssituationen ist oft nicht die Komplexität das größte Problem, sondern fehlende Klarheit in der Führung. Interim Management schafft diese Klarheit. Und sorgt dafür, dass Veränderung nicht nur geplant, sondern realisiert wird.

Özlem Parakenings: Du sprichst häufig von Umsetzungskraft. Was verstehst du konkret darunter?

Andreas Lau: Umsetzungskraft bedeutet, Strategie in belastbare Strukturen zu überführen. Prozesse zu stabilisieren, Teams mitzunehmen, Prioritäten zu setzen. Und auch unter Druck handlungsfähig zu bleiben. Interim Management steht für Geschwindigkeit, Wirkung und Verantwortung. Entscheidend ist am Ende die Wirkung. Nicht die Analyse, sondern das Ergebnis zählt.

Nicht die Analyse, sondern das Ergebnis zählt.

Özlem Parakenings: Der Markt differenziert sich zunehmend und Projekte werden komplexer. Wir sehen immer häufiger hybride Strukturen aus Beratung, internen Führungskräften und Interim Managern.

Wie erlebst du diese Entwicklung?

Andreas Lau: Die Anforderungen steigen deutlich. Kunden erwarten Wirkung. Unternehmerisches Denken. Belastbare Ergebnisse. Und Integrationsfähigkeit in komplexe Projektlandschaften.

Gleichzeitig wird Spezialisierung wichtiger. Methodenkompetenz, internationale Erfahrung, Branchenverständnis. Der Markt wird anspruchsvoller.

Und genau in diesen hybriden Strukturen entsteht eine neue Qualität der Zusammenarbeit.

Andreas Lau
Andreas Lau

Özlem Parakenings: Bedeutet diese Entwicklung auch, dass sich das Rollenverständnis von Interim Managern verändert?

Andreas Lau: Ja, sehr deutlich. Interim Manager sind heute nicht mehr nur Problemlöser auf Zeit.
Sie sind Sparringspartner für Geschäftsführung und Gesellschafter. Sie bewegen sich in hybriden Strukturen, arbeiten mit Beratern, Investoren und Technologieanbietern zusammen. Das erfordert neben fachlicher Exzellenz auch unternehmerisches Denken und hohe soziale Kompetenz. Die Rolle wird strategischer.

Zusammenspiel statt Abgrenzung

Özlem Parakenings: Wir haben über die Abgrenzung zur Beratung gesprochen. Gleichzeitig erleben wir immer häufiger Projekte, in denen Berater und Interim Manager eng zusammenarbeiten. Wie siehst du dieses Zusammenspiel?

Andreas Lau: Die Gegenüberstellung Beratung oder Interim Management greift heute zu kurz. In vielen Transformations- und Restrukturierungsprojekten erleben wir ein bewusstes Zusammenspiel. Beratung bringt analytische Tiefe, methodische Struktur und häufig internationale Benchmarks ein. Interim Manager übernehmen Verantwortung in der Linie. Sie führen Teams, treffen Entscheidungen und setzen Maßnahmen um. Wenn beide Rollen klar definiert sind und sich respektieren, entsteht echte Wirkung. Strategische Konzepte bleiben nicht auf Folien, sondern werden operationalisiert. Entscheidend ist Transparenz in der Rollenverteilung. Wer verantwortet was? Wer entscheidet? Wer trägt welches Risiko? Wenn das sauber geklärt ist, ergänzen sich beide Seiten ideal.

Die Gegenüberstellung Beratung oder Interim Management greift heute zu kurz.

Özlem Parakenings: Dieses Thema wird auch im Rahmen des AIMP Jahresforums in einem Panel diskutiert, das du gemeinsam mit anderen moderierst. Warum ist diese Diskussion aus Providersicht so relevant?

Andreas Lau: Weil sich die Projektrealität verändert hat. Kaum eine größere Transformation läuft heute ohne externe Beratung. Gleichzeitig erwarten Unternehmen operative Umsetzungskraft.

Als Providerperspektive interessiert uns, wie Interim Management so positioniert wird, dass es nicht als Konkurrenz, sondern als komplementäre Führungskomponente verstanden wird.

Es geht um ein professionelles Zusammenspiel auf Augenhöhe.

Genau darüber sprechen wir in Bonn.

Unabhängigkeit braucht Struktur

Özlem Parakenings: Auch die Strukturen im Markt verändern sich. Zusammenschlüsse, Plattformmodelle oder Beteiligungskonstruktionen nehmen zu. Wie ordnest du das ein?

Andreas Lau: Wir erleben eine Phase der strukturellen Neuordnung. Zusammenschlüsse von Interim Managern, Beteiligungsmodelle mit Investoren, Plattformlösungen oder hybride Kooperationsformen werden häufiger. Der Markt wird professioneller und wettbewerbsintensiver. Einzelkämpfertum stößt in komplexen Transformationsprojekten schneller an Grenzen. Unternehmen erwarten Skalierbarkeit, internationale Reichweite und methodische Tiefe. Gleichzeitig entstehen neue Fragen. Wie bleibt unternehmerische Unabhängigkeit gewahrt? Wie sichern wir Qualität in größeren Strukturen? Und wie verändert sich das Selbstverständnis der Interim Manager? Diese Diskussion ist wichtig. Sie zeigt, dass sich unsere Branche nicht nur inhaltlich, sondern auch strukturell weiterentwickelt.

Özlem Parakenings: Wenn Investoren einsteigen und Plattformmodelle entstehen, besteht dann die Gefahr, dass Interim Management seine unternehmerische Unabhängigkeit verliert?

Andreas Lau: Die Gefahr entsteht nicht automatisch durch Investoren oder Plattformmodelle. Sie entsteht, wenn Wachstum wichtiger wird als Qualität. Interim Management ist kein standardisierbares Massenprodukt. Es lebt von Persönlichkeit, Erfahrung und Verantwortung. Wenn Strukturen größer werden, steigt der Anspruch an Governance, Transparenz und Auswahlprozesse. Sonst verliert das Modell seine Glaubwürdigkeit. Unabhängigkeit ist kein romantischer Wert. Sie ist Voraussetzung für wirksame Führung auf Zeit. Entscheidend ist nicht das Modell, sondern wie verantwortungsvoll es geführt wird.

Qualität ist Voraussetzung für Vertrauen

Özlem Parakenings: Der AIMP veröffentlicht regelmäßig eine Marktstudie für den DACH-Raum. Welche Bedeutung haben solche Daten für dich?

Andreas Lau: In einem Markt, der stark von persönlicher Wahrnehmung geprägt ist, sind belastbare Zahlen wichtig. Die Studie liefert Daten zu Tagessätzen, Einsatzfeldern, Mandatsdauern und Kundenerwartungen. Die Ergebnisse zeigen klar, dass der Bedarf an erfahrener Führung auf Zeit hoch bleibt, insbesondere in Transformations- und Restrukturierungssituationen. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Spezialisierung und Professionalität. Transparenz ist die Grundlage für Qualität.

Und Qualität ist die Grundlage für Vertrauen.

Özlem Parakenings: Du betonst immer wieder den Qualitätsgedanken. Was bedeutet Qualität im Interim Management konkret?

Andreas Lau: Qualität zeigt sich in der Wirkung. In der Fähigkeit, in schwierigen Situationen Verantwortung zu übernehmen und nachhaltige Ergebnisse zu erzielen. Sie zeigt sich aber auch in sauberer Mandatsklärung, professioneller Zusammenarbeit, klarer Kommunikation und Integrität. Vertrauen ist die Währung unseres Geschäfts. Und Vertrauen entsteht nur durch verlässliche Qualität.

Özlem Parakenings: Wie siehst du die Zukunft des Interim Managements im DACH-Raum?

Andreas Lau: Interim Management wird weiter an Bedeutung gewinnen. Unternehmen brauchen erfahrene Führungspersönlichkeiten, die Veränderung verantworten können. Gleichzeitig wird sich Qualität noch deutlicher durchsetzen. Spezialisierung wird wichtiger. Und die Fähigkeit zur Zusammenarbeit in hybriden Strukturen wird entscheidend sein.

Özlem Parakenings: Wenn du es auf einen Satz reduzieren müsstest: Wofür steht Interim Management heute?

Andreas Lau: Veränderung hat Kraft. Aber nur, wenn sie verantwortet wird. Interim Management steht genau dafür.

Özlem Parakenings: Andreas, vielen Dank. Besonders der Gedanke, dass Veränderung nur wirkt, wenn sie verantwortet wird, bleibt hängen.


Key Takeaways aus dem Gespräch

  • Veränderung ist kein Ausnahmezustand, sondern Normalfall
  • Interim Management bedeutet Verantwortung, nicht nur Überbrückung
  • Umsetzungskraft entscheidet mehr als Analyse
  • Beratung und Interim Management entfalten Wirkung im Zusammenspiel
  • Qualität ist Voraussetzung für Vertrauen
Özlem Parakenings

Özlem Parakenings
Relationship- & Marketing-Managerin
bei HANSE Interim

Özlem Parakenings verantwortet das gesamte Marketing von HANSE Interim und begleitet zugleich Interim Management Projekte als Relationship Managerin. Sie ist Ansprechpartnerin für Mandanten und Interim Manager und verbindet Marktpositionierung mit operativer Nähe zum Projektgeschäft.


Viele dieser Fragen werden auch im Rahmen des AIMP Jahresforums weiter diskutiert. Bonn wird spannend.

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